Ameisenigel

Tachyglossidae (=Familie)

auch: Schnabeligel, Echidna
Englisch: Echidnas
Französisch: Échidnés

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Myrepindsvin

Ekidnoj

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Mjónefir, Mjónefjakvíslinni

Tachiglossidi

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Mierenegels

Maurpinnsvin

Kolczatkowate

Equidna

Ехидны

Myrpiggsvin, Echidna

Equidnas

Ježurovití

Hangyászsünfélék

Gill, 1872
 

Allgemeines     Verbreitung     Feinde     Lebensweise     Ernährung     Fortpflanzung     Verwandtschaft     Systematik     Status     Quellen

Übersicht: Gattungen

 

Reich: Animalia (Tiere)
Unterreich: Metazoa (Vielzeller)
Abteilung: Eumetazoa (Gewebetiere)
Unterabteilung: Bilateria
Stammgruppe: Deuterostomia (Neumünder)
Stamm: Chordata (Chordatiere)
Unterstamm: Vertebrata (Wirbeltiere)
Überklasse: Gnathostomata (Kiefermäuler)
Reihe: Tetrapoda (Landwirbeltiere)
Klasse: Mammalia (Säugetiere)
Unterklasse: Prototheria oder Protheria (Ursäuger)
Ordnung: Monotremata (Kloakentiere)
Klasse: Tachyglossidae (Ameisenigel)

 

Allgemeines:

Ameisenigel erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 35 bis 77 cm und ein Gewicht von 2,5 bis zu 16 kg, wobei die >Kurzschnabeligel kleiner als die >Langschnabeligel sind.

Sie sind normal behaart, tragen aber auf dem Rücken und den Körperseiten Stacheln, die in der Anzahl von Art zu Art variiert. Die Stacheln sind hohl und können bis zu 60 mm lang werden. Der Körper ist plump und gedrungen. Der Schwanz ist extrem kurz und man sieht maximal noch einen kleinen Stummel. Die seitlich weit auseinander stehenden Beine sind verhältnismäßig kurz. An den Füssen befinden sich jeweils fünf Zehen, die pro Fuß mit drei bis fünf Krallen bestück sein können. Die zweite, besonders lange Kralle der Hinterfüße dient als Putzkralle für Fell und Stachelkleid.

Die Stacheln sind meistens gelblich mit einer schwarzen Spitze - auch hier gibt es von Art zu Art Unterschiede. Die Farbe des Fells reicht von bräunlich bis schwarz. Teilweise sind die Haare sogar länger als die Stacheln und verbergen sie so.

Obwohl die Ohrmuscheln klein sind, oder sogar ganz fehlen (dann ist nur ein schmaler Spalt sichtbar, der als Ohr dient), ist das Gehör gut entwickelt. Die Augen sind klein und sitzen relativ weit vorne am Kopf. Das Sehvermögen ist zwar am schwächsten entwickelt, aber es ist doch noch relativ gut. Der Kopf ist klein und hat eine schnabelartige Verlängerung. Er sitzt auf einem kurzen Nacken. Die Schnauze ist lang und röhrenförmig, am Ende dieser Schnauze befinden sich die Nasenlöcher. Umgeben ist der "Schnabel" mit einer kräftigen Hornscheide. Die Mundöffnung ist so eng, dass gerade mal die Zunge, die bis zu 18 cm lang werden kann, mit der daran klebenden Beute durchpasst.

Ameisenigel haben keine Zähne, sondern Hornplatten am hinteren Teil der Zunge und am Gaumen. Mit diesen Hornplatten wird die Nahrung zerkleinert.

Die Weibchen bilden zur Fortpflanzungszeit eine Bruttasche in der Mitte des Bauches. Diese Tasche hat allerdings keinerlei Ähnlichkeit mit dem Beutel der >Beutelsäugern. Sie entsteht durch das Einsenken der Bauchdecke (wobei bis heute nicht geklärt ist, wie das funktioniert) und hat muskulöse Wände. Zwei Milchdrüsenfelder münden in diese Tasche, wobei die austretende Milch dann von Haarbüscheln weitergeleitet werden - die Weibchen haben keine Zitzen!

Die Männchen tragen am Hinterfuß einen Sporn, der 5-10 mm lang und hohl ist. Dieser Sporn ist allerdings im Gegensatz zu den >Schnabeltieren ungefährlich, weil die Giftdrüse bei den Ameisenigeln fehlt. Als Jungtiere haben allerdings auch die Weibchen diesen Sporn, den sie mit der Zeit verlieren. Sogar einige Männchen können ihn beim Heranwachsen verlieren.

Neben den Menschen gehören Ameisenigel zu den wenigen Säugetieren, die über ein halbes Jahrhundert alt werden können. einer hat im Londoner Zoo 30 Jahre und acht Monate gelebt; ein anderer im Berliner Zoo 31 oder vielleicht sogar 36 Jahre - man konnte es nicht mehr genau nachweisen, weil alle Unterlagen während der Fliegerangriffe vernichtet worden waren. Im Zoo von Philadelphia, USA, aber hauste ein Ameisenigel von 1903 bis 1953 in einem kleinen Abteil mit einer Schlupfkiste darin; er lebte 49 Jahre und fünf Monate in menschlicher Obhut. Wenn man sein Alter bei der Ankunft im Zoo noch hinzurechnet, müsste er wohl die durchschnittliche Lebenserwartung des Zivilisationsmenschen erreicht haben. In freier Wildbahn können einige Tiere etwas über 20 Jahre alt werden.

Die kleinen Kerle sind erstaunlich stark; gefangene Schnabeligel haben mit Gewalt das Drahtgeflecht abgerissen, mit dem ihre Kiste oben zugenagelt war, und sogar Deckel hochgehoben, auf denen Gewichte standen. Im Gelände kippen sie auf der Suche nach Nahrung ohne Mühe Steine und Felsbrocken um, die doppelt so groß wie sie selber sind. Ein Zoologe in Adelaide sperrte einen Ameisenigel über Nacht in seine Küche ein und fand am nächsten Morgen den schweren Schrank, den Tisch, die Stühle und Kisten von der Wand nach der Mitte des Raumes zu abgerückt. Im übrigen sind Ameisenigel, wieder im Gegensatz zu >Schnabeltieren, auch viel bei Tag unterwegs, besonders bei warmen Wetter.

Verbreitung:

Ameisenigel leben in Australien, Tasmanien und Neuguinea, dort in Wald-, Parklandschaften und Buschsteppen, wobei sie allerdings eine Vorliebe für steiniges und felsiges Gelände haben. Sie leben in den Niederungen, kommen aber auch in Höhen bis 2500 m vor, teilweise sogar bis in 4000 m Höhe.

Feinde:

Durch ihre gute "Feindesabwehr" sind die Ameisenigel in der glücklichen Lage, dass sie nur sehr wenige natürliche Feinde haben. Allerdings fangen und verzehren die Aboriginies hin und wieder mal einen.

Jungtiere sind da schon eher gefährdet. Sie können durchaus mal zur Beute vom >Buntwaran, >Dingo oder >Rotfuchs werden.

Lebensweise:

Diese Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv und verschlafen den Tag in ihrem Unterschlupf. Aber in ruhigen, ungestörten Gebieten kann es in seltenen Fällen doch mal vorkommen, dass man einen Ameisenigel tagsüber sieht. Außer zur Paarung sind sie Einzelgänger. Jedes Tier bewohnt ein Gebiet von 25 bis 200 ha. Da die Ameisenigel kein Revierverhalten kennen, überlappen sich die Gebiete recht häufig.

Wenn in den gemäßigten Breiten und in den größeren Höhen die Temperaturen zu weit absinken und dadurch die Nahrung zu knapp wird, begeben sich Ameisenigel in einen Winterschlaf. Hormone sorgen dafür, dass der Stoffwechsel dann herabgesetzt wird.

Die Ameisenigel sind im unwegsamen Gelände sehr geschickt. In unebenen Untergründen finden sie mithilfe ihrer langen, sehr kräftigen Krallen immer einen guten Halt. Wenn Gefahr droht, dann versinken sie regelrecht im Boden. Das erreichen sie dadurch, weil sie sich dann mit allen vier Füßen gleichzeitig sehr schnell eingraben. Dabei bleibt der Körper waagerecht. Im Boden dann verkeilen sich die Tiere dann, indem sie ihre mächtigen Klauen und die seitlichen Stacheln gegen die Wände drücken und pressen. Dann kann man sie ohne Werkzeug nicht aus dieser Grube holen. Nach oben hin sind die Ameisenigel dabei durch ihre Rückenstachel geschützt, die nach oben herausragen. Kein Feind kommt mehr an das Tier heran. Wenn der Boden allerdings zu hart zum Graben ist, dann weiß sich der Ameisenigel auch zu schützen. Wie unsere einheimischen Igel rollt er sich zusammen und bildet so eine Stachelkugel.

Die einzigen Laute, die Ameisenigel von sich geben sind manchmal ein ärgerliches Prusten oder Schnaufen.

In Gefangenschaft zeigt sich, dass die Ameisenigel einen starken Freiheitsdrang haben (siehe auch unter Allgemeines). Unaufhörlich versuchen sie immer wieder zu entwischen. Hierzu zeigen sie auch, dass sie recht erfinderisch sein können und über ganz ungewöhnlich Kräfte verfügen. Es wurde gesehen, dass sie schwere Kisten und Schränke ohne weiteres zur Seite schieben und heben. Selbst gewölbte Tonnen und glatte Wände können sie ersteigen und Fesselungen abstreifen.

Ernährung:

Die Nahrung besteht vor allem aus Ameisen und Termiten. Aber auch kleine Schnecken, Würmer und andere Kleintiere werden, solange sie durch die enge Mundöffnung passen, vertilgt. Wenn der Ameisenigel ein Beutetier erschnüffelt, schnellt die klebrige Zunge heraus und verschwindet genauso schnell mitsamt der Beute wieder im Maul.

Normalerweise graben Ameisenigel nicht nach ihrer Beute, sie wühlen nur Steine, Äste oder Rinde beiseite, die auch durchaus größer sein können, als sie selbst. Für gewöhnlich nehmen sie nur das auf, was sie auf Boden oder dem Umgewälzten finden. Aber eine Ausnahme bezüglich des Wühlens gibt es: Kurz bevor der Hochzeitsflug der Ameisenköniginnen ansteht (August bis Oktober), brechen Ameisenigel bestimmte Ameisenhügel mit ihren scharfen Krallen auf. Denn die Königinnen habe dann zu dieser Zeit bis zu 47 % Fett in ihrem Körper. Und dieses Fett benötigen die Ameisenigel, wenn sie aus dem Winterschlaf erwachen.

In Gefangenschaft entspricht die Ernährung eher der der >Ameisenbären, >Erdferkeln und >Schuppentieren. Das gehaltvolle Ersatzfutter besteht hier aus Hackfleisch, Eiern, Vollmilch, Grieß, Ameisenpuppen, Mehlkäferlarven, Regenwürmern und ähnlichem und wird so hergestellt, dass es von den Ameisenigeln aufgeleckt werden kann.

Ameisenigeln können in extremen Situationen sogar bis zu einem Monat fasten.

Fortpflanzung:

Die Paarungszeit ist Ende Juni und im Juli, kann aber auch mal in den August hineinragen. Das Paarungsverhalten ist sehr kurios. Die Weibchen sondern eine duftende Absonderung aus ihrer Kloake aus, der die Männchen anlockt. Es laufen dann mehrere (bis zu fünf) Männchen einem Weibchen hinterher und bilden so eine Art Karawane. Die Männchen stupsen das Weibchen immer wieder mit der Schnauze an. So eine Karawane kann sich über mehrere Tage halten, manchmal laufen die Männchen dem Weibchen sogar Wochen hinterher. Für die Männchen ist diese Aktion sehr anstrengend und sie können dabei sogar bis zu 25 % ihres Körpergewichtes verlieren.

Wenn das Weibchen dann endlich zur Paarung bereit ist, legt es sich flach auf den Bauch, wobei es seinen Kopf oft in ein Gebüsch verbirgt. Jetzt beginnen die Männchen hinter dem Weibchen, oder auch rechts und links zu graben. Dabei kann ein regelrechter Ring um das Weibchen entstehen. Dann fangen die Männchen an, sich mit den Köpfen gegenseitig aus diesen "Paarungsgraben" herauszudrängen. Das letzte noch übrig gebliebene Männchen beginnt nun mit der eigentlichen Paarung. Es bleibt dabei im Graben, legt sich hier seitlich hinter das Weibchen und streichelt nun das Fell und die Stacheln des Weibchens. Dabei versucht das Männchen den Schwanz des Weibchens mit seinen Hinterbeinen anzuheben. Wenn sich das Weibchen dann hochheben lässt, kommt es zur Paarung Bauch an Bauch. Das "Vorspiel" kann mehrere Stunden dauern, der Geschlechtsakt bis zu 180 Min. Nach der Paarung trennen sich die Wege und manchmal schließt sich das Männchen dann einer neuen Karawane eines Weibchens an. Das Weibchen selber paart sich nur einmal im Jahr.

Etwa einen Monat nach der Befruchtung werden die ein, zwei oder selten auch mal drei Eier in die Bauchtasche abgelegt. Das Ei ist 14-17 mm lang, 13-15 mm breit und dotterreich. Sieben bis zehn Tage nach der Eiablage schlüpft das winzige, nackte und blinde Junge. Mit seinem Eizahn, ein scharfer Hornzahn auf der Schnabelspitze, bricht er die pergamentartige Eischale auf. Kurz nach dem Schlupf geht dieser Eizahn verloren.

Bei der Geburt ist das Junge gerade mal 12 mm lang und recht larvenhaft. Im Beutel entwickelt es sich dann weiter. Nach etwa 6-8 Wochen misst der Kleine dann bereits fast 10 cm. Zu verdanken hat er seinen Wachstum der nahrhaften Milch seiner Mutter. Die Haare wachsen allmählich, zeitgleich allerdings auch die Stacheln. Und diese tun der Mutter nach einer gewissen Zeit weh und das Jung muss dann im Unterschlupf bleiben, wenn die Mutter auf Nahrungssuche geht.

Die Augen öffnet das Junge mit etwa 10 Wochen. Die Geschlechtsreife tritt mit etwa einem Jahr ein. In diesem Alter wiegt der Ameisenigel zwischen 2,5 und 6 kg, wobei Männchen viel schwerer als die Weibchen sind.

Die Fortpflanzung in Gefangenschaft erwies sich bisher als schwierig. Es ist bisher nur zweimal gelungen. Das erste Mal 1908 in Berlin. Allerdings lebte das Junge nach der Entdeckung (es war bereits 8 cm lang) nur noch weitere 4 Monate. Aufgrund der Größe ging man davon aus, dass das Junge bereits 2 Monate im Beutel war, somit ein Gesamtalter von nur 6 Monaten erreichte. Das zweite Mal von 1955 in Basel. Dort fand man ein junges, erkaltetes Ameisenigeljunges von 83 g Gewicht und 12,5 cm Länge. Nachdem man es gewärmt hatte, bewegte es sich wieder, starb aber nach weiteren zwei Tagen.

Verwandtschaft:

Zu selben Ordnung der >Kloakentiere gehören noch drei weitere Familien, von denen allerdings bereits zwei ausgestorben sind: 1. >Schnabeltiere (Ornithorhynchidae), 2. >Steropodontidae und 3. >Kollikodontidae.

Systematik:

Die Familie der Ameisenigel besteht aus 2 Gattungen: 1. >Kurzschnabeligel (Tachyglossus) mit zwei Arten und 2. >Langschnabeligel (Zaglossus) mit drei heute noch lebenden und fünf bereits ausgestorbenen Arten.

Siehe auch: >systematische Übersicht der Kloakentiere

Status:

Ameisenigel haben nur wenige natürliche Feinde - wenn auch die Aboriginies ihr Fleisch gern verspeisen. Sie sind keine Plage und haben auch keinerlei wirtschaftliche Bedeutung, so dass sie nie übermäßig durch den Menschen bejagt wurden.

Allerdings nimmt die Zahl der Ameisenigel in Neuguinea rapide ab, was auf das Abholzen riesiger Waldgebiete und auf intensive Jagd zurückzuführen ist. Es wird daher höchste Zeit für Schutzmaßnahmen zur Erhaltung dieser Art.

Quellen:

 

- Wikipedia (Deutsch)

- Bertelsmann Lexikon-Institut (Hrsg.): Das moderne Tierlexikon in 12 Bänden, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, Gütersloh, 1979-1985

        - Band 1: A-Bis, 324 Seiten, S. 90-92 (Ameisenigel), Buch-Nr. 06781 9

- Prof. Dr. Dr. h.e. Bernhard Grzimek (Hrsg.): Grzimeks Enzyklopädie Säugetiere in 11 Bänden, Kindler Verlag GmbH, München, 1988

        - Band 1: 330 Seiten, S. 203-204 (Ameisenigel), Buch-Nr. 00147 9

 
Übersicht der Gattungen der Ameisenigel:
Gattungen:

>Kurzschnabeligel (Tachyglossus), >Langschnabeligel (Zaglossus)

 

© Martina Klein, Aug. 2006

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