Glasschwämme

Hexactinellida (=Klasse)

E. O. Schmidt, 1870

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ohne Taxon: Animalia (Tiere)
Reich: Metazoa (Vielzeller)
Abteilung: Parazoa (Gewebelose)
Stamm: Porifera (Schwämme)
Klasse: Hexactinellida (Glasschwämme)
 

Name in anderen Sprachen:

Englisch: Hexactinellid sponges

Französisch: Éponges hexactinellides, Éponges siliceuses, Éponges de verre

Finnisch: Lasisienet

Italienisch: Hyalospongiae, Spugne vitree, Silicospongie

Polnisch: Gąbki szklane

Portugiesisch: Esponjas-de-vidro

Russisch: Шестилучевые губки

Schwedisch: Glassvampar

Spanisch: Hexactinélidos

Tschechisch: Křemité houby

Ungarisch: Üvegszivacsok

 

Allgemeines:

Zur Klasse der Glasschwämme gehören derzeit 617 bekannte rezente Arten.

Die Glasschwämme (Hexactinellida (Gr.: Sechsstrahlige) sind eine Klasse aus dem Stamm der >Schwämme. Die Glasschwämme leben ausschließlich im Meer, vom Litoral bis in die Tiefsee (Stand 2001). Glasschwämme stellen 7 % aller bekannten Schwammarten. Zurzeit sind sie in 19 Familien und 123 Gattungen untergliedert.

Glasschwämme weisen in ihrem Skelett sechsstrahlige oder davon ableitbare Nadelformen auf, die aus amorphem wasserhaltigem Siliziumdioxid (biogener Opal) aufgebaut sind. Die Bezeichnung der Klasse aufgrund der Morphologie ihrer Skelettelemente geht auf den Zoologen Eduard Oscar Schmidt zurück. In einer Glasschwammart können bis zu 20 verschieden geformte Nadeltypen auftreten. Die Glasschwämme sind entweder mit der Basis oder mit einem Bündel langer Glasfäden am Untergrund befestigt. Eine Ausnahme bildet die Art >Monorhaphis chuni, welche eine gigantische einzelne Schwammnadel von bis zu 3 m Länge und 8 mm Dicke produziert, womit sich der Schwamm im Tiefseeboden des Indischen und Pazifischen Ozeans verankert.

       

Verbreitung und Lebensraum:

Glasschwämme kommen in allen Weltmeeren vor, sie sind (mit wenigen Ausnahmen) Tiefseebewohner. Eine besonders große Dichte erreichen sie in den Gewässern rund um den antarktischen Kontinent in einer Tiefe von 100 bis 500 m. Obwohl sie dort nur in wenigen Arten vorkommen, können sie bis zu 90 % der am Meeresboden sitzenden Lebewesen (Benthos) ausmachen. Die großen Glasschwämme mit ihren zahlreichen Hohlräumen bieten wiederum anderen >wirbellosen Tierarten, aber auch >Jungfischen, eine Wohn- und Schutzstätte. Nach dem Absterben der Schwämme bleiben ihre Skelettnadeln am Boden liegen und bilden mit der Zeit bis zu 2m mächtige glaswollartige Nadelmatten, die den Meeresboden strukturieren und verändern. Glasschwämme sind daher ein bedeutender ökologischer Faktor in der Antarktis.

Die höchste Artenzahl in einer begrenzten Region wurde mit etwa 70 verschiedenen Arten an der Ostküste Japans in der vor Tokio gelegenen Sagami-Bucht gezählt. Die Vorkommen von Glasschwämmen aus dieser Region, in Tiefen von 150 bis 1000 m, sind seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts der Wissenschaft bekannt. Die Art >Hyalonema sieboldii, damals noch als „Glaspflanze“ oder „Glaskoralle“ bezeichnet, wurde im alten Japan zu Zimmerschmuck oder Haarnadeln verarbeitet.


Stammesgeschichte:

Glasschwämme gehören zu den ältesten >Vielzelligen Tieren der Erdgeschichte. Sie wurden in etwa 545 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten (Ediacara-Formation, Oberes Präkambrium) nachgewiesen. Ihre höchste Verbreitung erreichten sie im Oberen Jura, vor etwa 200 Millionen Jahren, in den flachen Gewässern der Tethys. Zu dieser Zeit spannte sich ein 7000 km langer Schwammriff-Gürtel vom heutigen Kaukasus, über Rumänien, Süddeutschland, die Iberische Halbinsel bis an die heutige Küste Neufundlands. Damit waren die Glasschwämme bedeutende Riffbildner, vergleichbar mit den heute lebenden >Korallen. Die Kalkfelsen in der fränkischen Alb sind z. B. fossile Überreste solcher Glasschwammriffe. Das einzig heute bekannte größere Glassschwammriff umfasst ca. 1000 Quadratkilometer vor der kanadischen Küste.


Aufbau:

Der Mechanismus der Nadelbildung der Glasschwämme ist in seinen Grundzügen aufgeklärt. Die Nadeln bestehen aus konzentrisch abgeschiedenen Lagen um einen zentralen Hohlkanal, den ein organisches Axialfilament ausfüllt. Dieses besteht größtenteils aus einem silikat-abscheidenden Enzym, benannt Silicatein, das zur Cathepsin-Unterfamilie gehört. Ein weiteres Enzym, die Silicase, dient dazu, das amorphe Si in Lösung zu halten. Silicase ist verwandt zu den Kohlenstoff-Anhydrasen, aktives Zentrum ist ein Metallkomplex mit Beteiligung von Zink. Die fertiges Nadeln bestehen neben der amorphen Silikat-Glasmasse zu größeren Anteilen aus Strukturproteinen, vermutlich zu großen Teilen Kollagen. Der "Verbundwerkstoff" aus Silikatglas und Protein ist elastischer als reines Glas. So ist es möglich, eine Schwammnadel bis in Kreisform zu biegen; beim Loslassen kehrt sie unbeschädigt in ihre Ausgangsform zurück.


Verwandtschaft:

Zum selben Stamm der >Schwämme gehören auch die heute noch existierenden Klassen:

  1. >Hornkieselschwämme (Demospongiae) mit derzeit 7.131 bekannten Arten

  2. >Kalkschwämme (Calcarea) mit derzeit 685 bekannten Arten

Siehe auch: >systematische Übersicht des Tierreichs

 

Systematik:

Die Klasse der Glasschwämme besteht aus den beiden Unterklassen:

  1. >Amphidiscophora mit derzeit 159 bekannten Arten

  2. >Hexasterophora mit derzeit 458 bekannten Arten

Siehe auch: >Systematische Übersicht der Glasschwämme

 

Quellen:

- Wikipedia (Deutsch)

 

© Martina Klein, Nov. 2011

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